Verstanden oder nur richtig angekreuzt?

Ein richtig gesetztes Kreuz, ein passendes Wort in einer Lücke – aber haben unsere Schülerinnen und Schüler den Text tatsächlich verstanden? Diese Frage stand im Mittelpunkt meines Beitrags „Verstanden oder nur richtig angekreuzt?“ bei einer landesweiten Fachtagung zur summativen Bewertung sprachlicher Fertigkeiten in Zagreb.

Ich hatte die Gelegenheit, rund 70 Kolleginnen und Kollegen Beispiele aus meiner Unterrichtspraxis vorzustellen und mit ihnen an der Entwicklung und Bewertung von Tests zum Hör- und Leseverstehen zu arbeiten. Dabei war es mir besonders wichtig, fachliche Grundlagen mit den konkreten Fragen zu verbinden, die uns im Unterricht täglich begegnen.

Als Deutschlehrerin im Wahlfachunterricht erlebe ich, wie unterschiedlich die sprachlichen Voraussetzungen und das Lerntempo der Kinder sein können. Gerade deshalb beschäftigt mich die Frage: Wie gestalten wir Tests, in denen Lernende zeigen können, was sie wirklich verstehen?

Im Mittelpunkt meines Beitrags standen die Auswahl geeigneter Hör- und Lesetexte, verständliche Arbeitsaufträge und die Abstimmung der Aufgaben auf die angestrebten Lernziele. Geht es darum, die Kernaussage eines Textes zu erfassen, bestimmte Informationen zu finden oder Einzelheiten genau zu verstehen? Diese Entscheidung bildet die Grundlage für die Auswahl eines passenden Aufgabenformats.

Anhand praktischer Beispiele beschäftigten wir uns mit Multiple-Choice-Aufgaben, Zuordnungen, Richtig-Falsch-Aussagen und kurzen Antworten. Dabei ging es auch um mögliche Stolpersteine: Lässt sich eine Aufgabe allein mit Vorwissen lösen? Verrät die Formulierung bereits die richtige Antwort? Verlangt eine Hörverstehensaufgabe so viel Schreiben, dass die eigentliche Verstehensleistung in den Hintergrund tritt?

Den praktischen Schwerpunkt bildete die gemeinsame Arbeit an eigenen Testaufgaben. Die Kolleginnen und Kollegen entwickelten Aufgaben zu Hör- und Lesetexten und beschäftigten sich mit Lösungsschlüsseln, Punkteverteilung und Bewertungskriterien. Dabei wurde deutlich, wie eng Aufgabenstellung und Bewertung zusammenhängen. Schon bei der Entwicklung eines Tests müssen wir überlegen, welche Antworten wir akzeptieren und wie wir teilweise richtige Lösungen berücksichtigen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Anpassung von Aufgaben für Lernende mit besonderem Unterstützungsbedarf. Eine übersichtliche Gestaltung, klare Anweisungen und passende Antwortmöglichkeiten können ihnen helfen, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Entscheidend bleibt dabei, die angestrebte Kompetenz im Blick zu behalten.

Für mich war diese Fortbildung eine wertvolle Gelegenheit, Erfahrungen aus meinem Unterricht zu teilen und gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen über die Qualität unserer Leistungsbewertung nachzudenken. Denn ein guter Test entsteht durch viele bewusste Entscheidungen – vom ersten Blick auf den Text bis zur Vergabe der Punkte.

Ich danke allen Teilnehmenden für die gemeinsame Arbeit und den fachlichen Austausch. 



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